BUND-Vorsitzende Silke Hemke kritisiert Dow-Berichterstattung Drucken
Montag, 18. Juni 2012 um 00:00

Leserbrief von Silke Hemke, B.U.N.D. - Kreisgruppe Stade, vom18.6.2012 im Stader Tageblatt zu dem Artikel "Dow setzt auf regenerative Energien" (Tageblatt vom 15.06.2012)

Lieber Peter von Allwörden,

auch wenn die DOW Chemical sicherlich einer der wichtigsten Player in Stade ist und wichtiger Anzeigenkunde für das Stader Tageblatt, sollte die Berichterstattung nicht zu einem "Hofbericht" werden, was  leider immer wieder passiert. Gehört nicht Aufklärung und Information zu den originären Aufgaben einer Zeitung, auch einer Lokalzeitung? Eine zumindestens gewisse kritische Durchleuchtung öffentlicher Äußerungen?

Wie schön, dass der Präsident von DOW Deutschland, Herr Rolf Brinkmann, ein "Zeichen in Richtung Klimaschutz und nachhaltige Energie " setzen möchte. TÄTE ER ES DOCH!! Gerade in diesen Tagen gehen die Unterlagen für einen Bebauungsplan raus, in dem die DOW ein neues Kohlekraftwerk mit 1,2 Gigawatt Leistung bauen will. Und es bleibt ein Kohlekraftwerk, auch wenn etwas Wasserstoff und Biomasse beigefügt werden und auch wenn die politisch Verantwortlichen in  Stadt und Kreis schamhaft nur von einem "Industriekraftwerk" sprechen. Wie ein Kohlekraftwerk wird es jeden Jahr rd. 4,5 bis 5 Millionen Tonnen CO2 in die Luft blasen und dass wohl für die nächsten 50 Jahre! Jedes Jahr!

Jede weiteren Klimaschutzanstrengungen in Stadt und Land sind angesichts dieser Dimensionen im Grunde sinnlos, nur als Alibi tauglich.

Schöne Worte zu Umwelt und regenerativen Energien sind "in". Ein paar Elektroauto machen sich gut in der Presse und sind nicht teuer. Sie zeigen letztlich das schlechte Gewissen, das die Dow in dieser Anglegenheit  zu Recht hat. Ein so großer Konzern, der sich so gern modern und umweltbewusst zeigt, setzt in Stade noch auf die veraltete Kohletechnik. Es mag ja sein, dass Kohle heute noch ein wenig billiger ist als Gas. Auch das bestreiten Fachleute inzwischen. Aber es ist halt doppelt so schädlich für das Klima und unverantwortlich für unsere Zukunft. Auch Konzerne haben sich dieser Verantwortung zu stellen!